Obliegenheiten in der Versicherung: Diese Regeln sollten Sie kennen
Türen versperren, Veränderungen melden, nach einem Schaden richtig handeln: Versicherungsverträge enthalten bestimmte Spielregeln. Wer die wichtigsten Obliegenheiten kennt, kann unangenehme Überraschungen im Schadenfall vermeiden.
Obliegenheiten sind Verhaltensregeln, die Versicherte im eigenen Interesse beachten sollten. Manche gelten bereits beim Abschluss einer Versicherung, andere während der Vertragslaufzeit oder erst nach einem Schaden. Welche Obliegenheiten konkret gelten, hängt von der jeweiligen Polizze und den Versicherungsbedingungen ab. Einige begegnen uns im Versicherungsalltag aber besonders häufig.
Obliegenheiten beim Versicherungsabschluss und während der Laufzeit
Schon bevor die Polizze ausgestellt wird, kommt es auf richtige Angaben an. Und auch danach sollte der Versicherer über bestimmte Veränderungen informiert werden.
Richtige und vollständige Angaben machen
Fragen im Versicherungsantrag sollten vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Entscheidend sind insbesondere Angaben, die für die Einschätzung des versicherten Risikos relevant sind – je nach Versicherung beispielsweise Gesundheitsangaben, Nutzung, Wohnsituation oder andere gefahrerhebliche Umstände.
Wesentliche Veränderungen melden
Auch während der Vertragslaufzeit kann sich das versicherte Risiko verändern. Ein Zu- oder Umbau, eine geänderte Nutzung oder größere technische Erweiterungen wie Photovoltaikanlage, Batteriespeicher oder Wallbox sind deshalb ein guter Anlass, den Versicherungsschutz überprüfen zu lassen.
Nicht jede Veränderung ist automatisch eine meldepflichtige Gefahrerhöhung. Bei wesentlichen Änderungen empfiehlt sich jedoch eine kurze Rückfrage, damit Polizze und tatsächliche Lebenssituation weiterhin zusammenpassen.
Zu Hause und unterwegs: Obliegenheiten im Alltag
Viele Obliegenheiten haben wenig mit komplizierten Versicherungsbedingungen zu tun. Sie betreffen ganz alltägliche Situationen – vom Zusperren der Haustür bis zum Autofahren.
Zu Hause: Türen, Fenster und Wasser
Gerade in der Haushalts- und Eigenheimversicherung können Sicherheitsvorschriften eine wichtige Rolle spielen. Je nach Versicherungsbedingungen ist beispielsweise Folgendes zu beachten:
- Beim Verlassen der Wohnung oder des Hauses Türen ordnungsgemäß versperren und relevante Fenster und sonstige Öffnungen schließen.
- Vereinbarte Sicherungen wie Alarmanlagen, Schlösser oder Sicherheitseinrichtungen tatsächlich verwenden.
- Wertgegenstände entsprechend den vereinbarten Vorgaben verwahren und – sofern vorgesehen – dokumentieren.
- Bei längerer Abwesenheit Bestimmungen zu Wasserleitungen und Frostschutz beachten. Viele Bedingungen sehen etwa vor, bei mehr als 72 Stunden Abwesenheit die Wasserzuleitungen abzusperren (mehr Info hier) und geeignete Maßnahmen gegen Frostschäden zu treffen.
Auch moderne Technik ersetzt solche Obliegenheiten nicht. Wassersensoren, Alarmanlagen oder smarte Warnsysteme können Schäden früh erkennen – entsprechende Warnmeldungen sollten aber auch ernst genommen werden.
Beim Autofahren: Alkohol, Führerschein und Fahrzeugverwendung
Auch in der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es klare Obliegenheiten. Dazu zählen insbesondere:
- das Fahrzeug nicht in einem durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigten Zustand zu lenken,
- eine gültige Lenkerberechtigung zu besitzen,
- vereinbarte Vorgaben zur Verwendung des Fahrzeugs einzuhalten,
- nicht mehr Personen mitzunehmen als vertraglich vereinbart beziehungsweise gesetzlich zulässig,
- bei einem Wechselkennzeichen nur mit jenem Fahrzeug zu fahren, an dem die Kennzeichentafeln angebracht sind.
- Winterreifenpflicht beachten: Von 1. November bis 15. April gilt für Pkw und Lkw bis 3,5 Tonnen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen die situative Winterreifenpflicht. Winterreifen müssen dann grundsätzlich auf allen Rädern montiert sein. Diese Winterreifenpflicht ist zunächst eine gesetzliche Verkehrsvorschrift und nicht mit den ausdrücklich geregelten Obliegenheiten der Kfz-Haftpflichtversicherung gleichzusetzen. Trotzdem kann die Bereifung bei der Beurteilung eines Unfall- und Versicherungsfalls eine Rolle spielen. Sicher unterwegs zu sein und die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, ist daher auch aus Versicherungssicht wichtig.
Wenn etwas passiert: Jetzt zählt richtiges Handeln
Viele Obliegenheiten beginnen erst mit dem Schadenfall. Dann geht es darum, weitere Schäden möglichst zu verhindern und dem Versicherer eine rasche und nachvollziehbare Schadenabwicklung zu ermöglichen.
Schaden rasch melden
Ein Versicherungsfall sollte grundsätzlich unverzüglich gemeldet werden. Je früher der Versicherer beziehungsweise Ihr Versicherungsmakler informiert ist, desto schneller kann auch das weitere Vorgehen abgestimmt werden.
Weiteren Schaden möglichst verhindern
Nach Möglichkeit sind zumutbare Maßnahmen zu setzen, um einen Schaden zu begrenzen. Bei einem Leitungswasserschaden kann das beispielsweise bedeuten, die Wasserzufuhr abzustellen. Wichtig: Niemand muss sich dabei selbst in Gefahr bringen.
Dokumentieren und bei der Aufklärung mitwirken
Fotos vom Schaden, Rechnungen, Belege und eine möglichst genaue Beschreibung des Schadenhergangs erleichtern die Abwicklung. Erforderliche Informationen und Unterlagen sollten vollständig und wahrheitsgemäß zur Verfügung gestellt werden.
Je nach Schadenart können zusätzlich Meldungen bei Polizei, Feuerwehr oder anderen zuständigen Stellen erforderlich sein. Mehr Info dazu finden sie auf unserer Schadenhomepage.
Je nach Versicherung gelten weitere Obliegenheiten
In manchen Versicherungssparten kommen besondere Regeln hinzu. In der privaten Unfallversicherung kann beispielsweise vorgesehen sein, nach einem Unfall unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und an der Feststellung der Unfallfolgen mitzuwirken.
Werden gegen Sie Schadenersatzansprüche erhoben, sollten Sie diese rasch an die Haftpflichtversicherung weiterleiten und nicht ohne Abstimmung eine Haftung anerkennen oder einen Vergleich schließen.
Auch in der Rechtsschutzversicherung gilt: Bevor Anwälte beauftragt, Klagen eingebracht oder andere kostenintensive rechtliche Schritte gesetzt werden, sollte zuerst die Deckung mit dem Versicherer beziehungsweise über uns geklärt werden.
Was passiert, wenn eine Obliegenheit verletzt wird?
Nicht jeder Fehler bedeutet automatisch, dass der gesamte Versicherungsschutz verloren geht. Welche Folgen eine Obliegenheitsverletzung hat, hängt unter anderem von der Art der Obliegenheit, dem Verschulden, dem Zusammenhang mit dem Schaden und den konkreten Versicherungsbedingungen ab. Im Einzelfall kann es jedoch zu einer Einschränkung der Versicherungsleistung oder zur Leistungsfreiheit kommen.
Unser Tipp
Im Zweifel lieber kurz nachfragen. Neue Lebensumstände, Umbauten, größere Anschaffungen oder eine längere Abwesenheit sind gute Gelegenheiten für einen Polizzen-Check. Und wenn ein Schaden passiert: Schaden begrenzen, dokumentieren und möglichst rasch Kontakt mit uns aufnehmen.
Sie möchten wissen, welche Obliegenheiten für Ihre Versicherungen gelten? Wir prüfen Ihre Polizzen und erklären Ihnen verständlich, worauf Sie im Alltag und im Schadenfall achten sollten.
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